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Details

CIFAD III – transnationales Einsatz- und Ressourcenmanagement für den grenzüberschreitenden Katastrophenschutz

Ort:
Landkreis Görlitz
Einwohnerzahl:
mehr als 100.000
Themenfeld/er:
Daseinsvorsorge  
Projektträger:
Landkreis Görlitz
weitere Projektbeteiligte:
Powiat Żarski (PL); ENO mbH; Fraunhofer IVI; BonaSoft Sp. z o.o. (PL)
Projektlaufzeit:
April 2024 - Ende 2026
Projektstatus:
laufend
Gesamtkosten:
ca. 1,5 Mio. Euro für Personal, Schulungen, Ausrüstung, Hardware, Software
Finanzierung/Förderung:
Interreg A

Beschreibung

Im Zentrum des Projekts CIFAD III steht die Kommunikationsplattform, über die Informationen zu aktuellen Gefährdungslagen und Prognosen schnell und effizient erfasst und in entscheidungsrelevanter Form bereitgestellt werden. Bereits in vorangegangenen Projekten wurden zentrale Herausforderungen identifiziert, insbesondere sprachliche Barrieren sowie fehlende Transparenz über verfügbare Technik und Einsatzkräfte in den beteiligten Regionen.

Ziel von CIFAD III ist es, die gesammelten Erfahrungen systematisch zu übertragen und durch Wissenstransfer sowie die Implementierung einer gemeinsamen Schnittstelle beim Projektpartner nachhaltig zu verankern. Im Fokus stehen dabei eine fundierte Gefahrenanalyse sowie die Entwicklung darauf aufbauender Lösungsstrategien.

Die entwickelte Kommunikationsplattform integriert die Einsatz- und Ressourcenplanung. Ergänzend werden neue Datenquellen zur Informationsgewinnung erschlossen. Darüber hinaus wird Spezialfahrzeug mit moderner Kamera-, Funk- und Drohnentechnik angeschafft, das insbesondere zur Erkundung, Überwachung und Auswertung klimabedingter Schadenslagen eingesetzt wird.

Die entwickelten Ansätze kommen insbesondere bei Gefährdungslagen unterhalb der Katastrophenschwelle zum Einsatz - etwa bei Extremwetterereignissen (Sturm, Orkan, Glatteis, Hagel), Naturereignissen (Hochwasser, Hitze, Dürre), technologischen Risiken (Gefahrstoffe, Industrieanlagen), Bränden (Vegetation, Photovoltaik, Windkraft, Elektrofahrzeuge), gesundheitlichen Gefahrenlagen (Epidemien, Tierseuchen) sowie im Bereich kritischer Infrastrukturen (Wasser, Abwasser, Energie). Erste praktische Anwendungen fanden bereits u. a. beim Hochwassereinsatz 2012 sowie im Kontext der Schweinepest statt.

Projektverlauf

Das Projekt wurde durch den Landkreis Görlitz gemeinsam mit dem Landkreis Żary initiiert. Es baut auf den vorherigen Projektphasen CIFAD I und CIFAD II auf, in denen bereits grundlegende Strukturen geschaffen wurden. Während CIFAD I vor allem auf die frühzeitige Information bei grenzüberschreitenden Hochwasserlagen abzielte und CIFAD II konkrete Ereignisse wie den Bruch eines Staudamms adressierte, steht in CIFAD III die Optimierung von Informationsflüssen und der Ausbau einer gemeinsamen Datenaustauschplattform im Mittelpunkt.

Im aktuellen Projekt wurden zusätzliche polnische Akteure eingebunden und die Zusammenarbeit auf Landkreisebene deutlich gestärkt. Die Plattform ermöglicht inzwischen einen automatisierten, zweisprachigen Informationsaustausch zwischen deutscher und polnischer Seite, unterstützt durch integrierte Übersetzungsfunktionen und Freitextfelder. Alarmierungen auf einer Seite werden automatisiert auf der anderen Seite gespiegelt.

Neben der technischen Entwicklung wurden umfangreiche Maßnahmen zur Qualifizierung umgesetzt, darunter regelmäßige Workshops, Multiplikatorenschulungen sowie gemeinsame Strategieentwicklungen zu Gefährdungslagen wie Starkregen, Stürmen oder Industrieunfällen.

Ergänzend wurden neue Technologien integriert, insbesondere Drohnentechnik zur Lagebilderfassung in schwer zugänglichen Gebieten sowie moderne Kameratechnik aus CIFAD II. Parallel erfolgt die Beschaffung spezialisierter Einsatzfahrzeuge auf beiden Seiten der Grenze.

Mehrwert

Das Projekt richtet sich insbesondere an Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, darunter Katastrophenschutzbehörden, Feuerwehren und Rettungsdienste in den Landkreisen Görlitz und Żary. Ein zentraler Mehrwert liegt in der erheblich beschleunigten Informationsverarbeitung und -weitergabe im Vergleich zu klassischen Vorgehensweisen. Dadurch können Einsatzkräfte schneller reagieren, die Bevölkerung frühzeitiger gewarnt und Vorbereitungsmaßnahmen effizienter getroffen werden. Im Ergebnis lassen sich Schäden potenziell reduzieren oder vermeiden.

Die Plattform ermöglicht zudem eine intuitive Nutzung über mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets, inklusive kartengestützter Funktionen zur Lageerfassung. Darüber hinaus stärkt das Projekt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit nachhaltig. Bereits in CIFAD II zeigte sich beispielsweise im Kontext der Ukraine-Krise, dass eine frühzeitige Abstimmung die Aufnahme von Geflüchteten erleichtern kann. Die Zusammenarbeit entlang der Neiße wurde durch das Projekt deutlich intensiviert und ist inzwischen fest in den beteiligten Organisationen verankert.

Regelmäßige Expertentreffen fördern den Erfahrungsaustausch und tragen zur kontinuierlichen Weiterentwicklung bei. Insgesamt leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Optimierung der Krisenprävention und Katastrophenbewältigung und stärkt damit auch die zivile Sicherheit in der Region. Begleitende Öffentlichkeitsarbeit, etwa über das Lausitz-Magazin, erhöht zudem die Sichtbarkeit in der Bevölkerung.

Fazit & Ausblick

CIFAD III baut auf klar definierten inhaltlichen Schwerpunkten auf und zeigt, dass insbesondere die Kombination aus Experteninterviews, gemeinsamer Strategieentwicklung und praktischer Umsetzung ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist. Die Zusammenarbeit zwischen den deutschen und polnischen Partnern gestaltet sich konstruktiv und auf Augenhöhe, trotz bestehender Herausforderungen wie der Sprachbarriere, die durch Dolmetscher und technische Lösungen abgebaut wird.

Ein wesentliches Ziel war die Entwicklung einer möglichst schlanken und praxisnahen Plattform, die durch automatische Übersetzungen und standardisierte Eingabemöglichkeiten eine einfache Handhabung gewährleistet. Das Projektteam ist im Verlauf eng zusammengewachsen und konnte eine belastbare Grundlage für die weitere Zusammenarbeit schaffen.

Zukünftig liegt der Fokus insbesondere auf der nachhaltigen Nutzung der entwickelten Strukturen über die Projektlaufzeit hinaus. Geplant sind umfassende Schulungen für Kommunen und Einsatzkräfte, um das System in der Breite zu etablieren. Wichtige Meilensteine sind ein Systemtest im Mai 2026, die aktive Teilnahme an der FLORIAN‑Messe in Dresden und die praktische Abschlussübung im Oktober 2026, in deren Rahmen ein simulierter Katastropheneinsatz durchgeführt wird. Dabei testen die beiden Projektpartner ihre neu gewonnene Zusammenarbeit unter Nutzung der Informations‑ und Kommunikationsplattform, der entwickelten Schnittstelle zur schnellen Datenübertragung und der neuen Einsatzfahrzeuge. Zudem ist eine Alarmtestübung für die Bevölkerung geplant. Auch eine mögliche Erweiterung in Richtung Brandenburg sowie die Einbindung weiterer Partner, beispielsweise aus der Forschung, werden geprüft.

Eine zentrale Herausforderung bleibt die Verbesserung der grenzüberschreitenden Alarmierungswege, die derzeit noch durch bestehende Strukturen verlangsamt werden. Hier sind weitergehende Abstimmungen auf politisch-administrativer Ebene erforderlich, um technische Möglichkeiten künftig effizienter nutzen zu können.

Weiterführende Informationen

Kontaktdaten

Herr Björn Mierisch
Amtsleiter – Amt für Brandschutz, Katastrophenschutz und Rettungswesen
Landkreis Görlitz
Bahnhofstraße 24,  02826,  Görlitz, 
03581 663-5635

Zur Webseite des Projektträgers  

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