Details
Nachbarsprache in der Doppelstadt - Język sąsiada w Dwumieście

Beschreibung
Das Projekt „Nachbarsprache in der Doppelstadt – Język sąsiada w Dwumieście“ wurde von Januar 2020 bis zum März 2023 in Frankfurt (Oder) und Słubice durchgeführt. Es bot Kindern, Jugendlichen sowie ihren Eltern und Lehrkräften die Möglichkeit, die Sprache des Nachbarn zu lernen und praktisch anzuwenden. Einen wesentlichen Schwerpunkt bildeten dabei Schulprojekte und Bildungsangebote.
Ab September 2020 erhielten alle Schüler der Klassenstufen 5 und 6 an fünf Słubicer Grundschulen jeweils zwei Wochenstunden Deutschunterricht. Für die Umsetzung des Projekts wurden neue Lehrkräfte eingestellt und Lehrbücher angeschafft. Die Nachhaltigkeit des Projekts wurde dadurch gesichert, dass der Deutschunterricht anschließend gemäß dem polnischen Lehrplan in den Klassenstufen 7 und 8 fortgeführt wurde. Auf deutscher Seite richtete sich das Projekt vor allem an Grundschulen und weiterführende Schulen in Frankfurt (Oder), wo Polnisch als AGs im Nachmittagsbereich angeboten wurde (Angebot der RAA Brandenburg). Im Schuljahr 2023/2024 wurden in Kooperation mit dem MBJS erneut an acht Frankfurter Schulen Polnisch-AGs angeboten, an denen über 130 Schüler teilgenommen haben.
Neben den Unterrichtsangeboten wurden für Kinder aus Frankfurt und Słubice eintägige Begegnungen und gemeinsame Projekte für deutsche und polnische Schüler organisiert. Diese Maßnahmen fanden im Schuljahr 2020/2021 vor allem online statt. Nach dem Ende der pandemiebedingten Einschränkungen wurden im Laufe des Projekts mehrtägige thematische Integrationsausflüge für deutsche und polnische Schüler durchgeführt.
Projektverlauf
Die Stadt Frankfurt (Oder) war als Projektpartner für die Bereitstellung des sogenannten virtuellen Klassenzimmers verantwortlich. Mit den Interreg-Mitteln wurden für die Schulen in Frankfurt und Słubice 18 Smartboards angeschafft, die das interaktive Lernen der Nachbarsprache erleichterten. Darüber hinaus waren die Smartboards für die Online-Begegnungen mit der besten Bild- und Tonqualität geeignet. Die Stadt Frankfurt (Oder) stellte mithilfe der Interreg-Förderung auch die Dolmetschertechnik bereit, die bei den gemeinsamen Veranstaltungen eingesetzt werden konnte. Mit den mobilen GoPro-Kameras und neuen kleinen Tonstudios, die ebenfalls im Projekt angeschafft worden waren, können Filme und Podcasts erstellt werden, die den Lernenden neue Möglichkeiten für den Erwerb der Nachbarsprache bieten. Die Schulen dürfen die Geräte kostenlos über das Kooperationszentrum erhalten. Lehrkräfte aus Frankfurt (Oder) und Słubice erweiterten ihre Fähigkeiten im Umgang mit den neuen Technologien (z. B. Software, Webanwendungen, Gamification-Methoden etc.) in insgesamt 25 Kursen (Herbst 2022) zu interaktiven Lernmethoden im Fremdsprachenunterricht. Der sichere Umgang mit den Online-Materialien wurde durch Schulungen zu den OER (Open Educational Resources) gewährleistet.

Mehrwert
Das Projekt verfolgte das Ziel, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Frankfurt (Oder) und Słubice zu stärken und die sprachlichen Barrieren zwischen den beiden Städten zu überwinden. Durch die Förderung der Nachbarsprache auf beiden Seiten der Oder sollten die Bewohner der Doppelstadt näher zusammenrücken und ein besseres gegenseitiges Verständnis entwickeln. In direkter Verbindung mit den Zielen des Frankfurt-Słubicer Handlungsplans 2020-2030, insbesondere der Steigerung der Nachbarsprachenkompetenz, zielte das Projekt insbesondere darauf ab, die sprachliche Integration in der Doppelstadt langfristig zu fördern. Der Mehrwert des Projekts lag in seiner nachhaltigen Wirkung auf die beiden Städte. Durch den verstärkten Erwerb der Nachbarsprache an den Schulen in Frankfurt (Oder) und Słubice wurde nicht nur die individuelle Sprachkompetenz der Schüler gestärkt, sondern auch die kulturelle Verständigung und Zusammenarbeit zwischen den beiden Städten intensiviert. Die Erweiterung des Bildungsangebots an den Frankfurter und Słubicer Schulen sorgte für eine nachhaltige Verbesserung der Bildungsinfrastruktur, die langfristig sowohl den Schülern als auch der gesamten Doppelstadt zugutekommt. Darüber hinaus erhöhte das Projekt die Sichtbarkeit von Frankfurt (Oder) und Słubice, indem es die Kommunen als aktive Akteure in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und interkulturellen Bildung positionierte.
Fazit und Ausblick
Zum Erfolg des Projekts trugen vor allem der persönliche Kontakt, der regelmäßige Austausch sowie die kooperative Zusammenarbeit von allen Projektpartnern bei. Die Partner verfolgten stets gemeinsame Ziele, was die Umsetzung des Projekts erheblich erleichterte. Es ist u.a. gelungen, dass die Infrastruktur von einem Partner für alle Projektpartner, auch im Ausland, beschaffen worden ist. Die größte Herausforderung für das Projekt lag im Ausbruch der Corona Pandemie im Jahr 2020. Danke des Engagements der teilnehmenden Schulen und der Projektpartner konnte das Projekt trotz der Pandemie fortgesetzt werden, indem online Angebote verstärkt zum Einsatz kamen.
Das Interreg V A-Projekt „Nachbarsprache in der Doppelstadt – Język sąsiada w Dwumieście“ stieß auf eine äußerst große Resonanz, da es von zahlreichen Schulen sowohl in Frankfurt (Oder) als auch in Słubice angefragt wurde. Das Interesse der Schüler in Frankfurt (Oder) war so hoch, dass an manchen Schulen sogar zwei Arbeitsgemeinschaften (AGs) angeboten werden mussten, um der Nachfrage gerecht zu werden. Der Bedarf und das Interesse an solchen Bildungsangeboten bestehen auch heute noch und zeigen die nachhaltige Relevanz des Projekts. Bis dato lernen alle polnischen Schüler der Slubicer öffentlichen Grundschulen von der 5. bis zur 8. Jahrgangsstufe obligatorisch Deutsch.
Um diesem anhaltenden Bedarf gerecht zu werden, wird derzeit das Folgeprojekt „Grenzkompass“ konzipiert. Dieses soll die erfolgreiche Arbeit des bisherigen Projekts weiterführen und noch mehr Möglichkeiten für interkulturelle und grenzüberschreitende Bildung schaffen. Geplant ist, das Projekt im Rahmen des nächsten Interreg-Förderaufrufs einzureichen, um die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Frankfurt (Oder) und Słubice fortzusetzen und auszubauen.