Details
Demenzsensible Smart-City Forst (Lausitz)
Beschreibung

Das Projekt „Smart-City Forst (Lausitz)“ verfolgt das Ziel, ein demenzfreundliches Wohn- und Versorgungsumfeld zu schaffen, das älteren Menschen ein möglichst selbstständiges Leben inmitten der Gesellschaft ermöglicht. Ausgangspunkt war der hohe Anteil älterer und demenzerkrankter Menschen in der Region sowie ein erheblicher Bedarf an geeignetem Wohnraum von rund 400 bis 500 Wohnungen. Gleichzeitig bestand in Forst ein erheblicher Leerstand bei Wohngebäuden. Durch die Reaktivierung eines leerstehenden Wohnblocks wurde eine innovative Verbindung aus Stadtentwicklung, Pflege, Digitalisierung und sozialer Infrastruktur geschaffen.
Im Rahmen des Projekts wurden zwölf altersgerechte Wohnungen sowie zwei Wohngemeinschaften mit moderner Sensorik ausgestattet. Eingebaute Licht-, Feuchte- und Bewegungssensoren erkennen kritische Situationen wie Wasserüberläufe, Feuer oder Stürze und melden diese an ein zentrales Healthcare Control Center (HCC). Inzwischen werden die Daten zusätzlich KI-gestützt ausgewertet, um Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen. Angehörige können über eine App nachvollziehen, wie es den Bewohnern aktuell geht. Bewusst wurde auf Kameras verzichtet, um die Privatsphäre und den Datenschutz zu wahren – die Sensorik arbeitet weitgehend „unsichtbar“.
Neben der technischen Ausstattung wurde ein umfassendes Netzwerk aus Gesundheits-, Sozial- und Dienstleistungsangeboten aufgebaut. Apotheken, Pflegeanbieter, soziale Einrichtungen und weitere Akteure im Umfeld wurden demenzsensibel geschult. Dadurch entstand ein regionales Unterstützungsnetzwerk mit hoher Betreuungsqualität und starkem Gemeinschaftsgefühl.
Projektverlauf

Dem Projekt ging zunächst eine durch das Land Brandenburg geförderte Machbarkeitsstudie voraus. Diese sollte prüfen, ob ein wirtschaftlich tragfähiges demenzfreundliches Versorgungsnetzwerk in Forst aufgebaut werden kann. Nach erfolgreichem Nachweis der Machbarkeit entstand 2020 ein Konsortium aus der Lausitz Klinik Forst, der Forster Wohnungsbaugesellschaft, Ernst von Bergmann Care gGmbH und Visality Consulting GmbH. Anschließend begann die Pilotphase mit Planung, Umbau und technischer Umsetzung des Wohnprojekts. Die Projektlaufzeit bis zur Fertigstellung betrug insgesamt rund drei Jahre.
Die Umsetzung brachte zahlreiche Herausforderungen mit sich. Besonders anspruchsvoll war die Anpassung der Wohnungsgrundrisse an die Bedürfnisse zukünftiger Bewohner. Gemeinsam mit dem Pflegedienst wurden einzelne Wohnungszuschnitte mehrfach überarbeitet, teilweise fünf- bis sechsmal neu geplant. Zudem mussten ältere Menschen und deren Angehörige zunächst davon überzeugt werden, das eigene Haus aufzugeben und in ein betreutes Wohnumfeld umzuziehen. Viele Interessenten waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht oder nur leicht erkrankt, weshalb Mitbestimmung, Vertrauen und intensive Beratung eine wichtige Rolle spielten.
Parallel dazu wurden sämtliche Mitarbeitende und Netzwerkpartner demenzsensibel nach dem international anerkannten Silviahemmet©-Standard geschult. So entstand Schritt für Schritt ein lokales Unterstützungsnetzwerk, auf das die Bewohner im Alltag zurückgreifen können. Die Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss fördern zusätzlich soziale Kontakte und helfen, Einsamkeit im Alter entgegenzuwirken.
Mehrwert
Das Projekt bietet sowohl sozialen als auch städtebaulichen und wirtschaftlichen Mehrwert für die Region. In einer strukturschwachen Gegend konnte durch die Modernisierung eines langjährig leerstehenden Gebäudes neuer, hochwertiger Wohnraum geschaffen werden. Gleichzeitig entstand ein innovatives Wohnkonzept für ältere Menschen mit Demenz, das Selbstständigkeit, Sicherheit und soziale Teilhabe miteinander verbindet.
Die technische Ausstattung der Wohnungen ermöglicht eine hohe Wohnqualität bei gleichzeitigem Schutz der Privatsphäre. Angehörige bleiben stärker eingebunden und können den Gesundheits- und Lebensalltag der Bewohner besser begleiten. Das Zusammenspiel aus Sensorik, KI-gestützter Auswertung und persönlicher Betreuung schafft zusätzliche Sicherheit, ohne die Bewohner dauerhaft zu überwachen.
Darüber hinaus stärkte das Projekt den Zusammenhalt in der Stadt. Zahlreiche lokale Dienstleister und Einrichtungen beteiligen sich aktiv am Netzwerk und machen ihre Zugehörigkeit durch Smart-City-Forst-Aufkleber in den Schaufenstern sichtbar. Dadurch entstand ein gemeinschaftliches Verständnis für den Umgang mit demenziell veränderten Menschen. Das Projekt gilt inzwischen als bundesweites Vorzeigeprojekt und wertet die Stadt Forst sichtbar auf. Die öffentliche Aufmerksamkeit wurde unter anderem durch den Besuch der schwedischen Königin Silvia im Jahr 2023 verstärkt, deren Stiftung Silviahemmet© die Zertifizierung der Netzwerkpartner unterstützt.
Auch wirtschaftlich zeigt das Projekt Potenzial. Die Nachfrage nach den Wohnungen ist hoch, Wartelisten bestehen bereits. Gleichzeitig wurde deutlich, dass für einen dauerhaft wirtschaftlichen Betrieb deutlich mehr Wohnungen erforderlich wären – mindestens 100 bis 150 Einheiten, um beispielsweise die Personalstelle im HCC dauerhaft finanzieren zu können.
Fazit & Ausblick

Das Projekt „Demenzsensible Smart-City Forst (Lausitz)“ zeigt, wie digitale Technologien, soziale Infrastruktur und Stadtentwicklung kombiniert werden können, um den Herausforderungen einer alternden Gesellschaft zu begegnen. Die wissenschaftliche Begleitung konnte die grundsätzliche Plausibilität und Funktionsfähigkeit des Ansatzes erfolgreich nachweisen. Rückblickend zeigte sich, dass viele Bewohner mit ihrer Entscheidung sehr zufrieden sind und sich im neuen Umfeld sicher und gut betreut fühlen. Zudem wird verdeutlicht, wie aus Leerstand moderner Wohnraum mit hoher Lebensqualität entstehen kann und dass demenzsensible Strukturen nicht nur die Versorgung verbessern, sondern auch Gemeinschaft, Teilhabe und Lebensqualität nachhaltig stärken.
Derzeit wird das Projekt vor allem aus Überzeugung der Beteiligten weitergeführt, da keine weiteren Fördermittel vorgesehen sind. Für die Zukunft sehen die Projektpartner großes Potenzial in der Skalierung des Konzepts. Die einmaligen Investitionskosten von etwa 3.000 Euro pro Wohnung sowie laufende Betriebskosten von rund 185 Euro monatlich gelten als grundsätzlich realisierbar – insbesondere im Neubau könnten die Kosten weiter sinken. Langfristig soll die Finanzierung stärker über Pflegekassen und standardisierte technische Lösungen erfolgen, etwa durch nach Hause gelieferte Sensorpakete mit einfacher Installation. Zudem besteht Interesse anderer Kommunen und größerer Partner, das Konzept zu übernehmen. Ziel ist es nun, politische Entscheidungsträger stärker zu erreichen und weitere Kommunen bei der Umsetzung vergleichbarer Projekte zu beraten. Voraussetzung dafür ist jedoch ein finanzstarker Partner, der eine größere Anzahl von Wohnungen gleichzeitig ausstattet und betreibt.
Weiterführende Informationen
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